Am 29. Mai 2026 begab sich die 9. Jahrgangsstufe der Friesenschule Leer auf eine Exkursion zur KZ-Gedenkstätte nach Esterwegen. Ziel dieses Besuchs war es, den im Geschichtsunterricht erarbeiteten Stoff über den Nationalsozialismus durch eine direkte Begegnung mit einem historischen Ort der Verfolgung und des Terrors zu vertiefen.
Vor Ort wurden die 55 Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt und von zwei fachkundigen Guides durch das Gelände geführt. Während des vierstündigen Aufenthalts erhielten die Jugendlichen einen tiefen Einblick in das Lagerleben sowie in die Systematik der nationalsozialistischen Verfolgung.
Die Guides legten besonderen Wert darauf, die abstrakten Zahlen und Fakten des Lehrbuchs durch konkrete Biografien von Häftlingen greifbar zu machen. Die Lernenden setzten sich intensiv mit den Bedingungen des Emslandlagers auseinander, betrachteten Überreste der Baracken und archäologische Fundstücke und reflektierten die menschenverachtenden Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gefangenen. Die Atmosphäre der Gedenkstätte ermöglichte eine konzentrierte Auseinandersetzung, die den Schülern Raum für Fragen und persönliches Nachdenken bot.




Das Lager Esterwegen war eines der frühen Konzentrationslager des NS-Regimes und gehörte zum System der sogenannten Emslandlager. Es diente als Haftstätte für politische Gegner, „Vorbeugungshäftlinge“ und später auch für Straf- und Kriegsgefangene. Die Gefangenen wurden zur Zwangsarbeit beim Kultivieren des Moores unter grausamen Bedingungen gezwungen („Moorsoldaten“). Die Kombination aus harter körperlicher Arbeit, unzureichender Ernährung, Misshandlungen durch das Wachpersonal und der lebensfeindlichen Umgebung des Moors führte zu unvorstellbarem Leid und zahlreichen Todesfällen.
Die Auseinandersetzung mit individuellen Einzelschicksalen halft den Jugendlichen, das Leid der Opfer besser nachzuvollziehen, anstatt nur abstrakte historische Prozesse zu betrachten.
Der Besuch führte den Schülern eindringlich vor Augen, wohin Diskriminierung, Ausgrenzung und die Zerstörung demokratischer Werte führen können. Er stärkt das Bewusstsein für die Verantwortung des Einzelnen in unserer heutigen Gesellschaft.
Die „Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit in Ostfriesland e.V.“ und die „Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten“ übernahmen die Fahrtkosten.