Wie Jesus zum „Arier“ wurde

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Ostfriesland (GFCJZ), Leer, hatte zu einem Vortrag am 26. April zu dem Thema: „Wie Jesus zum „Arier“ wurde“, eingeladen.

Der Vorsitzende der Gesellschaft, Wolfgang Kellner, begrüßte den Referenten Dr. Torsten Lattki. Er ist seit 2021 Studienleiter für interreligiösen Dialog und gegen Antisemitismus beim Deutschen Koordinierungsrat (DKR). Weiterhin die Generalsekretärin dieses Dachverbandes von über 80 Gesellschaften in Deutschland, Frau Pfarrerin Ilona Klemens.

Walter Grundmann war der wissenschaftliche Leiter und die prägende Figur des von 1939 bis 1945 bestehenden „Entjudungsinstituts“ in Eisenach. Grundmann und die über 200 Mitarbeiter waren zutiefst von Hitler und dem Nationalsozialismus überzeugt und verfolgten das Ziel, ein „artgerechtes Christentum“ für Deutsche zu schaffen. Indem sie Jesus als „Arier“ konstruierten sowie Bibel, Gesangbuch und Katechismus umschrieben und neu ordneten, wurde christliche Theologie und Kirchenpraxis „entjudet“.

Foto: Ilona Klemens, DKR: Kulturspeicher Leer Teilnehmer Vortrag Dr. Lattki

Lattki erläuterte in seinem Vortrag, wie das Institut entstand und wie und mit welchen Folgen für die christliche Lehre dort gearbeitet wurde. Zudem zeigte er, wie der Neutestamentler Walter Grundmann einen nichtjüdischen Jesus im Kampf gegen das Judentum konstruierte und ein Christentum in nationalsozialistischen Kategorien erschaffen wollte.

Schon bald nach 1945 bekleidete Grundmann wieder diverse Stellen in Kirche und Theologie und avancierte zu einem der erfolgreichsten Theologen der DDR. Er sah das Judentum weiterhin als verworfene Religion ohne Existenzberechtigung und hielt an seinen menschenverachtenden Ansichten fest. Mit seinen Kommentaren zum Neuen Testament, die noch heute in vielen Bibliotheken stehen, prägte er zahlreiche Theolog*innen und Pfarrer*innen.

Diese These verdeutlichte Dr. Lattki an dem von Grundmann geprägten christlichen Bild der „Pharisäer“, das von einem unterschwelligen Judenhass geprägt ist.

An den Vortrag schloss sich eine intensive Fragerunde an.
Wolfgang Kellner schloss mit den Worten: “Es ist wichtig, dass wir auch heute noch die Verstrickungen der evangelischen Kirchen im Nationalsozialismus und deren Folgen aufarbeiten.“